Mandatory helmet – the bangla style

Diesmal hat’s mich nach Kurigram verschlagen, das ist ganz im Norden von Bangladesch. Auch hier kommt man nur mit dem Motorrad in die abgelegenen Ortschaften auf den Schwemmlandinseln – für mich kein Problem, ich find Motorradfahren eh gut…solang ich nicht selbst fahren muss.

Bisher sah das dann so aus: Mein Team aus Fotograf, Dolmetscher und Projektverantwortlichem wurde jeweils hinten auf ein Motorrad verfrachtet, der Fahrer hatte einen Helm, wir Beifahrer nicht. Das war so üblich und da man in Bangladesch in dieser Gegend eh nicht schnell fahren kann, weil die Straßen zu schlecht, die Wege zu schmal oder zu sandig sind, war das für mich nie ein Problem. (Für meine ‚Daheimgebliebenen‘ allerdings schon…)

Foto Zakir

Foto: Zakir Hossain

Diesmal allerdings wurde mir gesagt, dass ich auch einen Helm tragen müsse, weil es jetzt ein Gesetz für Helmpflicht in Bangladesch gäbe. Und tatsächlich tragen alle Motorradfahrer, Lenker wie Hinterbänkler, einen Helm.

Alle, bis auf die Beifahrer unserer Polizeieskorten!

An jedem Tag und bei jedem Eskortenteam dasselbe: Immer hat der Fahrer einen Helm, der Beifahrer nicht. Klar, dass ich mich frage, wie um alles in der Welt die Polizei ein Gesetz umsetzen will, wenn sie selbst sich nicht daran hält?

Bei den gemeinsamen Mittagessen spreche ich deshalb jedes unserer Begleitteams so blond-naiv wie möglich darauf an. Ich hätte gehörte, dass es jetzt eine Helmpflicht in Bangladesch gäbe, ob das denn stimme? Das erste Team antwortet kurz und bestimmt mit ‚Ja‘ und verstummt, sobald ich nachfrage, warum dann der Beifahrer keinen Helm habe. Das zweite Team antwortet mit einem verlegenen Lächeln und eilt dann zum Ausgang. Und erst beim dritten Team bekomme ich eine einleuchtende Erklärung:

Die Motorräder, auf denen die Polizisten unterwegs sind, sind Privatmaschinen, also keine Einsatzfahrzeuge der Polizei. Der Besitzer, der gleichzeitig Fahrer ist, hat deshalb natürlich einen Helm. Der Beifahrer aber deshalb nicht, weil er den selbst finanzieren müsste. Und das von dem ohnehin oft nicht üppigen Gehalt.

Wie sie denn ein Gesetz durchsetzen wollten, an dass sie sich selbst nicht halten, hab ich dann noch gefragt. Der ältere Polizist faselt was von einer Übergangsfrist, die noch bis Dezember gelte, erst dann sei das Gesetz verpflichtend für alle… (das Wort ‚Zivilisten‘ hat er sich dabei gerade noch verkniffen). Und der jüngere Polizist blafft von hinten noch eine andere Erklärung, die ich allerdings nicht verstehe und mir übersetzen lassen muss: „Wir haben unsere Methoden, wie wir Gesetze umsetzen, dafür braucht’s keinen Helm“