Meeting with a jinn!?

Meine Gastfamilie ist in heller Aufregung als ich heimkomme. Alle reden durcheinander, wirken verängstigt und die jüngste Schwester meiner Freundin hat rotgeweinte Augen. Was denn los sei, frage ich. Schwer zu erklären, meint der Herr des Hauses. Sein Blick weicht mir aus. So hab ich ihn noch nie erlebt, normalerweise gibt er sich weltmännisch, offen, vielseitig interessiert und wirkt immer auch ein bisschen spöttisch. Heute aber wirkt er…ohnmächtig.

Nach und nach bekomme ich raus, was eigentlich vorgefallen ist: Es war Spätnachmittag. Die jüngste Schwester (Anfang 20) war mit der kleinen Tochter (3 Jahre) meiner Gastgeber allein in der Wohnung, beide im Schlafzimmer beim Mittagschlaf. Plötzlich kamen aus dem Wohnzimmer Geräusche. Etwas rollte über den Boden. Dann…Geräusche von Tieren, bellen, miauen und seltsame Stimmen. Die junge Frau schreckt aus dem Schlaf. Voller Angst lauscht sie den Geräuschen aus dem Nebenraum. Sie ruft leise den Namen ihrer Schwester, weil sie glaubt, sie sei vielleicht schon nach Hause gekommen. Keine Antwort. Nur wieder Geräusche. Es hörte sich nicht menschlich an, sagt die junge Frau später. Sie habe sich nicht getraut, ins Wohnzimmer zu gehen und nachzusehen. Denn plötzlich sei ihr klar gewesen: Das muss ein Dschinn sein! Deshalb kroch sie unter die Decke und rief völlig panisch ihre Verwandten an, die ein paar Häuser in derselben Straßen wohnen. Dort, unter der Decke fanden sie dann der Bruder und die Tanten.

Ich bin baff über diese Geschichte. Ein Dschinn? Was genau meinen meine Freunde damit? Ist das ein Dämon? Oder ein böser Geist? Meine Freundin wiegt den Kopf auf Bangla Art. So genau wisse sie das auch nicht, wohl eher ein Dämon, meint sie fahrig. Auf jeden Fall nicht ein Schatten eines verstorbenen Menschen, das seien dann Geister und die gäbe es ja nicht.  Aber, werfe ich ein, könnte es nicht auch noch eine andere Erklärung für die Geräusche geben? Vielleicht sind ja Vögel über die offene Balkontüren ins Zimmer gekommen,  ich habe schon öfter beobachtet wie diese kleinen neugierigen Piepmätze an allem rumpicken, was auf dem Boden rumliegt. Mein Gastgeber schaut mich erstaunt an, überlegt kurz und schüttelt dann den Kopf. Nein, die Vögel seinen zu schwach um solche Geräusche zu machen, außerdem hätte seine Schwägerin ja auch Stimmen gehört. Und wenn eine Katze im Zimmer war? Und mit der Tatze auf das Spielzeug-Keyboard getreten ist, das ja verschiedene Tiergeräusche und auch kurze Sätze programmiert hat? Aber ich dringe gar nicht mehr durch. Alle sind fest überzeugt, dass ein Dschinn in der Wohnung war. Ich wende mich nochmal an meinen Gastgeber. Immerhin kenne ich ihn als bekennender Freigeist und großen Skeptiker. Ob er wirklich an Dschinns glaube, frage ich. Ja, DIE gäbe es wirklich. Immerhin seien die im Koran erwähnt.

Nachtrag: In Wikipedia findet man unter dem Stichwort Dschinn folgenden Eintrag:

Ein Dschinn ist in der islamischen Vorstellung ein übersinnliches Wesen, das aus rauchlosem Feuer erschaffen ist, über Verstand verfügt und neben den Menschen und den Engeln mit anderen Dschinn die Welt als Geistwesen bevölkert. Nur in Ausnahmesituationen werden Dschinn den Menschen sichtbar. Die den Menschen rechtleitenden Dschinn gelangten aus altarabisch-vorislamischen in islamische Glaubensvorstellungen und werden mehrfach im Koran erwähnt. Mit dem Islam verbreitete sich der Glaube an Dschinn über den arabisch-orientalischen Kulturraum hinaus.

(…) Im Koran werden Dschinn häufig erwähnt. Ihnen ist eine eigene Sure gewidmet (Sure 72). Ausdrücklich gilt die Verkündung des Propheten Mohammed nicht nur für die Menschen, sondern genauso auch für die Dschinn. (…) Wie die Menschen sollen die Dschinn „dazu geschaffen sein, Gott zu dienen“. Darüber hinaus gibt es gläubige und ungläubige Dschinn, wobei die ungläubigen Dschinn in die Hölle kommen sollen. Zu Zeiten des Propheten stellten einige Dschinn bei einer Versammlung fest, dass sie die Engel nicht mehr sprechen hörten. Sie zogen los, um den Grund dafür herauszufinden. Sie fanden Mohammed, als dieser den Koran las. Dies geschah eben, weil der Prophet für Dschinn ebenso wie für die Menschen den Koran offenbarte. Diese Dschinn konvertierten zum Islam, da sie nun alles erfahren hatten, was sie wissen mussten.