One day in Sylhet (2)

Die Briten haben in Sylhet überall ihre Spuren hinterlassen. Einmal durch die riesigen Teeplantagen, die sich rund um die Stadt über alle Hügel ziehen. Aber auch durch einige Wahrzeichen im Zentrum der Stadt. Das auffälligste ist wahrscheinlich die Keane bridge, die sich über 350 Meter Länge wie ein roter Bogen aus Stahl und Eisen über den Fluss Surma spannt.

Trotzdem wirkt diese Brücke erstaunlich filigran. Vielleicht, weil die Bangladeshi in den Städten sonst eher Betonmonster als Brücken haben. Oder weil hier keine Blechlawinen drüber rollen – diese Brücke ist nämlich eine Fußgängerbrücke….okay, eine Fußgänger-Rikscha-Motorrad-Fahrrad-Brücke. Apropos Rikscha: Es ist unglaublich, was mit diesem Gefährt alles transportiert wird. Manche sind bis zum Verdeck hoch vollgeladen und zusätzlich sitzt dann noch ein Mensch drauf. Muss ein ganz schönes Gewicht sein. Und dadurch für die findigen Bangladeshi auch ein gleich wieder ein Geschäftsmodell: Am Fuß der Brücke bieten sich nämlich Männer als ‚Schieber‘ an, damit die bepackten Drahtesel überhaupt über die Rampe auf die Brücke kommen.

Und natürlich wird dort auch alles denkbare für den täglichen Bedarf angeboten: Das obligatorische ‚Paan‘ wie im ersten Bild natürlich (mehr zu Paan: https://yvonnekoch.wordpress.com/2014/11/15/want-to-try-paan-der-bengalesische-kaugummi/ und https://yvonnekoch.wordpress.com/2019/02/13/the-gold-of-the-khasi-people-fortsetzung/ ). Aber auch Töpferware oder die Rattan-Hocker. Und dabei fällt mir auf, dass ich hier das erste Mal sowas wie Handwerkskunst auf einem Markt sehe. Auf solche mobilen Verkaufsstände dagegen trifft man öfter:

Mit dieser Vorrichtung wird Zuckerrohr ausgequetscht und der Saft dann verkauft.

Wir überqueren die Brücke und Rahat weist mich auf eine weitere Sehenswürdigkeit hin:

Sylhet (51) bearbeitet

Das sei der ‚Big Ben‘ von Sylhet, meint er, die älteste Uhrenturm der Stadt, der Ali Amjad Clock Tower. Gebaut wurde 1872 vom Vater des damaligen Nawabs. Ich war darüber erst irritiert, weil Nawabs ursprünglich so was wie Gouverneure während des Mogul-Reichs waren. Aber offenbar nannten auch die Briten ihre in den Adelsstand erhobenen Vasallen so, die die Distrikte für sie verwalteten.

Wir nähern uns dem anderen Ufer. Und da seh ich….nee, das kann nicht sein….ich kneife die Augen zusammen, damit ich besser sehe. Tatsächlich, dort an der Uferböschung, die kleinen schwarzen Tiere, das sind doch….

SCHWEINE! Im muslimischen Bangladesch! Die ersten überhaupt, die ich in diesem Land sehe. Und dann scheinen sie hier auch noch als vierbeinige Müllvernichter eingesetzt zu werden, jedenfalls wühlen sie denn Abfall durch, der dort am Flussufer liegt.

Rahat ist dieser Anblick offenbar mehr als unangenehm, immerhin wollte er mir doch die schönen Ecken von Sylhet zeigen. Wir drehen also um. Runter von der Brücke. Aber auch da fällt mir ausgerechnet das auf, was mein Guide am liebsten nicht wahrnehmen würde….

Sylhet (49) bearbeitet

Selbst für bengalische Verhältnisse ist dieser Schlafplatz nicht gerade der bequemste, oder? Rahat verdreht die Augen. Jaaaaaa, diesem Mann ist das aber offensichtlich egal, wahrscheinlich sei er drogensüchtig. Yaba sei ja mittlerweile zu einer richtigen Seuche geworden. Yaba – bei uns bekannt als Crystal Meth – eine künstliche Droge, die die Menschen verändert, sie aggressiv und paranoid macht…

Rahat führt mich am Ellenbogen weiter. Und da seh ich sie: Prodips, diese kleinen getöpferten Schälchen, in denen die Hindus ihre Opfer-Lichter anzünden.

Und weiter geht’s. Zu einem großen Platz mit moscheeartigen Toren und reichverzierten Brüstungen

Das sei der große Versammlungs- und Gebetsplatz, erklärt Rahat. Hier werden zum Beispiel die zeremoniellen Gebete während dem Opferfest Eid gesprochen. Möglich, dass das während des Festes etwas eindrucksvolles ist, jetzt aber ist es in großen Teilen nur ein riesiger betonierter Platz.

Wir steigen ins Auto. Denn jetzt geht’s zum M. C. College, der ältesten Hochschule von Bangladesch. Sie hat zwar seit ihrer Gründung 1892 schon ein paar Erdbeben hinter sich, aber trotzdem gilt sie als eine der schönsten in ganz Bangladesch – und ist berühmt für ihre über 100.000 Bücher umfassende Bibliothek.

In diesen Langhäusern sind die Studenten untergebracht. Und während wir gemütlich über das baumreiche Gelände schlendern, fallen mir die vielen Paare auf, die sich mal auf einer von Büschen geschützte Bank, mal am Ufer des Campus-Sees erstaunlich nahe sind. Auch deshalb sei dieses College so begehrt, grinst Rahat. Es ist eine dieser wenigen Orte in Bangladesch, wo Zweisamkeit zwischen den Geschlechtern nicht ganz so rigoros geahndet wird. Und er kenne noch so einen Ort….

Der ist allerdings nicht ganz so verwunschen. Denn als wir mit dem Auto näher kommen, müssen wir uns in eine Warteschlange einreihen. Diese Tierzeichnungen am Eingang…Wo sind wir hier? Ist das ein Zoo? So was ähnliches, meint Rahat. Eigentlich ist es eine Art Naturschutzgebiet, der Tilagarh Eco-Park, in dem aber auch Tiere in Gehegen gehalten werden. Ich sehe einige Vögel in Volieren, auf den Wegweiser steht, dass es hier auch Affen, Rehe und Tiger zu sehen sind. Wir schlendern aber einfach durch das üppige Grün und reden. Rahat träumt nämlich davon, irgendwann einmal ein Resort zu haben. Eine Bio-Wohlfühl-Oase mitten im Grünen mit kleinen architektonisch ungewöhnlichen Hütten, in der Menschen mit kleinem Geldbeutel genauso Urlaub machen können, wie Gutbetuchte.

Dann müssen wir zurück, denn es wird langsam dunkel. Und mit einem gemeinsamen Abendessen beschließen wir diesen wunderschönen, ereignisreichen Tag in Sylhet.

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