Non-ferrous life begins!

Wie waren die Bewohner von Char Charita Bari stolz als sie mich im vergangenen Jahr durch ihr Dorf führten… Neben jeder Hütte war ein kleiner Sanitärbereich mit Waschstelle, Dusche und Toilette. Luxus auf der Schwemmlandinsel, denn davor musste das Wasser im Fluss geholt werden. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch, dass das ganze Plateau dieses Dorfes im Überschwemmungsgebiet komplett erhöht und mit Brunnen, Pumpen und Solarzellen ausgestattet wurde (mit Spenden von Clingenburg-Festival-Besuchern). [nachzulesen hier:  https://yvonnekoch.wordpress.com/2015/11/30/zwischen-den-wassern/ https://yvonnekoch.wordpress.com/2016/08/08/against-all-odds/ https://yvonnekoch.wordpress.com/2016/09/02/mission-accomplished-this-time/    yvonnekoch.wordpress.com/2017/01/26/after-the-big-flood-char-charita-bari/ ]

Aber schon bei der Besichtigung ist mir aufgefallen, dass das Wasser rote Schlieren hinterlässt. Es sei extrem eisenhaltig, hat man mir erklärt.

Char Charita Bari vor dem Filter

Erst als ich wieder Zuhause war, ist mir das ‚rote‘ Wasser wieder eingefallen. Eigentlich ist Eisen ja ein Mineral, das unser Körper braucht. Aber das Wasser in Char Charita Bari roch extrem metallisch und der Geschmack war auch nicht so lecker. Kann das wirklich noch gesund sein? Also hab ich recherchiert: „Für den Menschen ist Eisen ein lebensnotwendiges Mikroelement, denn es ist vor allem für den Sauerstofftransport des Hämoglobins – der roten Blutkörperchen – zuständig. Der Tagesbedarf für Männer liegt bei etwa 10 mg pro Tag, für Frauen ist er mit ca. 15 mg etwas höher. Werden diese Werte dauerhaft unterschritten führt dies zur Diagnose Eisenmangel. Eine Überdosierung wirkt sich ebenfalls schädlich auf die Gesundheit aus. Bei zu hoher Eisenaufnahme kann sich Eisen in der Leber anreichern und vielfältige Erkrankungen, sogenannte Siderosen, auslösen.“ Außerdem greift das eisenhaltige Wasser auf Dauer auch Leitungen an.

Das hat mich richtig geärgert! Da haben es die 11 Familien im Überschwemmungsgebiet endlich ein bisschen leichter, verlieren nicht jedes Jahr Vieh, Häuser und ihr Leben bei der Flut und sollen jetzt dafür unter diesem blöden Eisen leiden? Denn die ersten Auswirkungen spürten die Bewohner schon: Der 18jährigen Laboni juckt die Kopfhaut, Morgina (23) bemerkt bei der ganzen Familie rot verfärbte Zähne, Momina stellt fest, dass der Reis rötlich aussieht und irgendwie anders schmeckt und bei der 20jährigen Roksana wird das Curry schwarz. Außerdem schmeckt das Wasser schlecht, bei allen. Wobei….diese Beschwerden gelangten lange nicht zu mir. Auch die Hilfsorganisation  CDD, die die Dorferhöhung umgesetzt hat, erfährt davon nichts. Denn die Dorfbewohner wollten nicht undankbar sein, schämten sich, von ihren Problemen zu erzählen.

Aber seit wir wussten, wie schädlich zu viel Eisen im Wasser ist, haben wir lange nach einer Lösung gesucht. Klar gibt es dafür Verfahren, aber chemische kamen nicht in Frage, weil es sich ja nicht um das Wasser für einen Swimming-Pool handelt, sondern um Trinkwasser. Spezial-Filter, wie sie auf dem Markt sind, waren für alle Beteiligten zu teuer. Deshalb waren Gopal und ich soweit, selbst ein Filtersystem aus Sand, Kies und Kohlepartikel zu entwickeln – wenigstens theoretisch hatten wir uns das Basiswissen dafür draufgeschafft, es haperte nur noch an der Umsetzung.

Und dann kam uns der Zufall zu Hilfe: In einem Blog-Artikel von rosarotjulia (https://wordpress.com/read/blogs/117704312/posts/267), einem Bangladesch-Fan, las ich von einem Mann im Süden von Bangladesch, der mit einfachen Mitteln Filtersysteme für alle möglichen Schadstoffe im Wasser baut. Die Blog-Autorin vermittelte den Kontakt, Gopal verhandelte mit dem Filterspezialisten und jetzt stehen die tatsächlich in jedem Haus in Char Charita Bari. Aber seht selbst:

Preisgünstig, einfach und effizient sind diese Filter. Und dass sie einigen Platz in den  kleinen Hütten beanspruchen, nehmen die Dorfbewohner gerne in Kauf. Denn das Wasser ist jetzt wieder klar (siehe Titelbild), es schmeckt richtig lecker und der metallische Geruch ist auch weg. Laboni meint sogar, ihr Haar sei jetzt viel weicher und die Verfärbungen bei Reis, Zähnen, Curry oder Sonstigem sind auch weg. Den dreistöckigen Turm aus Plastikeimern findet der 34jährige Kamrul Hossain sogar richtig chic, denn mittlerweile kommen immer öfter Nachbarn vorbei, um sich das Filtersystem anzukucken: „Meine Frau ist total glücklich über das Ding und wir kümmern uns auch gut darum.“

karmul mit filter

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s