Emergency aid – also has disadvantages

Soweit das Auge reicht seh ich die Hütten der Geflüchteten, der Rohingyas. Rundherum diese Konstruktionen aus Bambus und Plastikplanen.  Hier auf diesem Hügel krieg ich einen Eindruck, wieviele Menschen tatsächlich aus Myanmar hierher geflüchtet sind. Nur ein Eindruck, sogar ein kleiner Eindruck. Denn dieses Camp ist ja nur eines von zwölf Flüchtlingslagern, die seit August vergangenen Jahres aus allen Nähten platzen.

Wobei Flüchtlingslager eigentlich der falsche Begriff ist, denn die Rohingya sind in Bangladesch offiziell nicht als Flüchtlinge. Das Land hat die internationalen Flüchtlingskonventionen nie unterschrieben und es sind auch keinerlei Regelungen vorgesehen, die ein offizielles Asylverfahren möglich machten. Trotzdem nimmt Bangladesch seit Jahren (als fast einziges Land) die aus Myanmar Geflüchteten auf und hat auch seit Jahren eine Nothilfe-Partnerschaft mit der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, dem UNHCR.

Mittlerweile tummeln sich unzählige Hilfsorganisationen in den Rohingya Camps im Süden von Bangladesch, Regierungsorganisationen, große, international bekannte NGOs genauso wie kleine, örtliche. Es ist enorm, was hier vor allem in den letzten sechs Monaten an Hilfslieferungen, Organisation und Manpower reingesteckt wurde. Und auf den ersten Blick wirkt auch alles gut durchdacht.

Auf den zweiten Blick allerdings wird deutlich, dass hier alles nur ‚NOTHILFE‘ ist, ein schnelles Eingreifen in einer Krisensituation, meist ohne einen langfristigen Plan. Was übrigens von der bengalischen Regierung ganz bewusst so gehalten wird, die Camps sollen ja nur ‚vorübergehend‘ sein. Und genau dieses Provisorium könnte bald zu einem Riesenproblem für die Flüchtlingscamps werden. Ach was sag ich, es ist schon jetzt eins und wird bald noch schlimmer.

Es gibt zum Beispiel kein geregeltes Abwassersystem in den Camps. Auf den Bildern  seht ihr wie sich Waschwasser oder auch das Blut von geschlachteten Tieren willkürlich einen Weg durch das Lager sucht.

Es gibt zwar in den Camps Toiletten in regelmäßigen Abständen, so dass theoretisch die Notdurft-Versorgung ausreichend wäre. Aber das ist eben nur theoretisch so. Denn die meisten Toiletten sind Plumpsklos nach dem Sickergruben-Prinzip. Das heißt konkret, die Wellblech- oder Plastikplanen-Klozellen stehen um ein Loch im Boden. Dieses Loch ist der Abschluss mehrerer Betonringe, die in die Erde gelassen sind. Auf dem Bild unten links seht ihr solche Betonringe. Normalerweise endet diese Art von Klo in einer Sickergrube: Die flüssigen Bestandteile der Exkremente dringen ins Erdreich ein und werden dort durch Sand und Erde gefiltert, während die festen Bestandteile regelmäßig entfernt werden – die Sickergrube muss also geleert werden. Dieses Entsorgungssystem gibt es im Camp aber nicht. Das heißt, viele der Plumpsklos sind voller…Entschuldigung, ich muss es beim Namen nennen: Scheiße. Dadurch sind viele Klos erstens nicht mehr nutzbar, weil voll, zweitens ein großes Geruchs- und Hygieneproblem und drittens auch ein Problem für die meist in der Nähe installierten Wasserstellen – das Wasser dort ist damit nämlich auch kontaminiert. (letztes Bild: Wasserstelle neben Klo). Kein Wunder also, dass in den Lagern immer wieder Fälle von Diphterie auftreten.en

 

Seht Euch auch mal die Hüttenkonstruktionen genauer an: Bambusstangen, die mit Plastikplanen umwickelt sind. Danach die filigranen Brückenkonstruktionen. Und dann stellt Euch vor, wie das alles aussieht, nachdem ein heftiger Wirbelsturm darüber  hinweggefegt ist. Ab April könnte das real werden, denn dann beginnt die Zyklonen-Saison in der Küstenregion. Und kurz danach, schwappt dann das nächste Problem auf die Flüchtlingscamps zu:

Etwa Ende Mai beginnt die Regenzeit, der Monsun. Und ich möchte mir gar nicht vorstellen, was bei den heftigen Regenfällen mit den an den Hang geklebten Hütten und den Hügeln voller Exkrementen passieren wird…  Abgesehen davon, dass die in den Sand gestampften Treppen und Wege nicht mehr begehbar sein werden. Und damit werden auch die vielen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen nicht mehr ins Camp kommen können.

Camp Kinder

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Emergency aid – also has disadvantages

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