Kinder im Camp

Es gibt unglaublich viele Kinder in diesen Rohingya Camps im Süden von Bangladesch. Manche sind in Gruppen unterwegs, stromern herum, viele aber arbeiten – zum Teil sehr hart. Aber alle wirken irgendwie… richtungslos. Offenbar sind die Eltern selbst zu sehr mit sich und ihren Problemen beschäftigt. Eine Therapeutin im Camp hat mir erzählt, dass die meisten, die zu ihr kommen, an den traumatischen Erlebnissen in Myanmar leiden. Sie haben Flashbacks, also plötzlich aufblitzende Erinnerungen an schreckliche Situationen. Oder leiden an Schlaflosigkeit, weil sie Angst vor Albträumen haben. Auf jeden Fall sind viele Eltern ihren Kindern keine Stütze. Und dann organisieren sich die Kinder eben selbst. In diesem Blogartikel sollen sie das weitestgehend auch tun – deshalb lass ich einfach die Bilder sprechen und kommentiere sie nur sporadisch. Also Vorhang auf für die Kinder:

Es gibt regelrechte Banden, die gemeinsam durchs Lager stromern. Vielleicht tun sich die Kinder in Gruppen zusammen, weil es so sicherer ist. Vielleicht ist es aber einach auch weniger langweilig.

Abfall

Dass es im Lager sandig und staubig ist, hab ich ja schon erzählt. Aber nicht nur dieses Mädchen macht es fassungslos, an wie vielen Stellen es einfach nur dreckig, vermüllt und trostlos aussieht. Dazwischen immer wieder diese rostroten Schlieren im Wasser oder auf der Straße – keine Ahnung, ob das Blut von einem geschlachteten Huhn oder von etwas Größerem stammt.

Wasserholen scheint Kinderarbeit zu sein im Camp. Und zwar mehrmals am Tag. Es gibt zwar relativ viele Wasserstellen im Camp, aber manche sind direkt neben einer Latrine oder das Wasser riecht auch so schon nicht so gut – deshalb müssen die kleinen Wasserträger die Mangelware Trinkwasser oft über weite Strecken tragen.

Die Hügel in den Camps sind zwar so gut wie kahl, aber irgendwie schaffen es die Kinder doch immer wieder, ein Bündel Holz nach Hause zu tragen oder die mageren Einkäufe. Es ist zum Teil harte Arbeit. Aber schon die Kinder wissen hier: Wenn nicht alle zusammenhelfen gibt es halt schlicht nichts zu essen…

Ausgleichssport. Seile gibt es im Camp anscheinend massenhaft…

JPS14199 - Kopie

…Bälle dagegen sind seltener. Dafür aber meist mit einem dicken Logo einer Hilfsorganisation versehen.

Es ist ganz selbstverständlich hier, dass Geschwister oder Nachbarskinder auf die Kleineren mit aufpassen. Sie schleppen die Zwerge ständig mit sich rum und gehen sogar im Bedarf mit ihnen zum Arzt.

Rumlungern, irgendwie den Tag rumbringen. Denn Spielsachen sind rar im Camp, die mussten die Kinder bei der Flucht meist zurücklassen.

Vielleicht war es Zufall, aber so zwischen drei und vier Uhr nachmittags scheinen die meisten Shops in den Camps mit Kindern besetzt zu sein. Ist mir an zwei Tagen aufgefallen…

Natürlich gibt es mittlerweile auch Schulen im Camp. Dort werden wenigstens die Basics wie Lesen und Schreiben vermittelt, machmal sogar noch Englisch und Burmesisch. Aber weil es eben noch viel mehr Kinder als Schulen gibt, wird meist in Schichten unterrichtet – also zwei bis drei Stunden am Vormittag, dann kommt der nächste Schwung Rotznasen dran. Daneben gibt es auch einige Madrasas, also Islamschulen, und immer mal wieder baut eine Hilfsorganisation sogenannte ‚child friendly spaces‘ auf: Ein großer Raum, der für Kinder unglaubliche Schätze birgt. Eine Rutsche zum Beispiel. Oder knallbunte Bälle, manchmal sogar Puzzle, Bilderbücher, Murmelbahnen oder kleine Webrahmen. Ein wahres Paradies also – leider nur jeweils für eine limitierte Anzahl an Kindern. Die anderen können nur von draußen zuschauen.

Zum Glück gibt es im Camp Balukhali eine Attraktion, die für jedes Kind offen ist: Die steile, abgerubbelte Riesen-Natur-Rutsche an einem Sandberg. Und da ist es völlig egal, ob beim Rutschen der blanke Bobbes geschmirgelt, die Hose am Podex dünner wird oder ein eingedrückter Wasserkanister als Bob herhalten muss – der Spaß ist sicht- und hörbar!

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