Impressed by blockprints

Meine Freundin Nisha tut irre geheimnisvoll…sie habe eine Überraschung für mich, sagt sie und ist ganz aufgeregt. Wir müssten dafür allerdings in einen anderen Stadtteil. Also steigen wir erst in eine Rikscha, wo sie mich über die Lieblingsfarben meiner Kinder ausfragt – seltsam – und dann geht’s zu Fuß weiter. Sie hat eine große Tasche dabei, kuckt immer wieder rein als ob sie sich vergewissern will, dass noch alles da ist. Dabei lächelt sie immer so geheimnisvoll.

Ich werd dadurch auch langsam aufgeregt…was hat sie denn jetzt wieder vor?

Wir sind mittlerweile in einer Marktstraße angekommen, allerdings gibt es hier kein Gemüse oder Garküchen, sondern alles andere: Glas-Armreifen, Nähgarn in allen Farben, Töpfe, Knöpfe, Schuhe und Schreibwaren. Es ist ein ziemliches Gedränge hier und meine Bewegungen beim Passieren der Passanten erinnern etwas an einen Bauchtanz.

Plötzlich ist Nisha verschwunden. Ich bleibe stehen, blicke suchend nach allen Seiten – dadurch kriege ich den Überblick ziemlich schnell, immerhin überrage ich die meisten bangladeshi um fast einen Kopf. Und links von mir, am Eingang einer kleinen Einkaufspassage, steht dann auch meine winkende Freundin. Nein, wir seien noch nicht am Ziel, grinst sie und schlüpft schuhklappernd auf der anderen Seite der Passage in eine ruhigere Gasse.  Dann sind wir da: ein ziemlich heruntergekommenes Haus mit türkisenem Anstrich um den Eingang, der ins Dunkle führt. Jedenfalls kommt es mir so vor, denn meine Augen müssen sich erstmal an den düsteren Raum gewöhnen. Berge von Stoffen liegen hier, auf Tapezier-Tischen, auf den unzähligen Regalbrettern, auf dem Boden, es sind sogar Seile quer gespannt, an denen bunte Stoffbahnen hängen. Nisha hippelt aufgeregt, schaut mich immer wieder lächelnd an – aber nein, ich kapier immer noch nicht, was sie vorhat. Sie zieht mich ans andere Ende des Raumes. Hier steht ein kleiner Mann vor einem superlangen Tisch und mischt Farben in verschiedenen flachen Stein-Wannen.

Nisha schüttet den kleinen Mann mit einem Schwall Worte zu, so schnell, dass ich kaum was verstehe… ‚Grün‘ glaube ich herauszuhören, ‚Schal‘ und ‚Block‘, aber sicher bin ich mir nicht. Der Mann schaut kurz hoch, begrüßt mich stoisch und trottet dann in einen Nebenraum aus dem bald danach komische Geräusche kommen…kruscheln…nein, eher ein Rumpeln, als ob Kinder mit Holzklötzen spielen würden. Dann kommt er mit einer Kiste wieder. Nisha deutet mit einer weit ausholenden, einladenden Geste auf die Kiste. Ich solle mir was aussuchen. Ich kapier immer noch nicht, denn in der Kiste sind lauter Holzklötze in verschiedenen Größen und Formen, in die aufwendige Ornamente und Schnörkel geschnitzt sind. Nisha zieht zwei Päckchen aus ihrer Tasche und rollt beide auf dem langen Tisch aus. Eine mehrere Meter lange Stoffbahn in schwarz und eine kleinere in grün kommt zum Vorschein. Sie wolle mir ein ganz individuelles Geschenk machen, sagt sie. Der schwarze Schal sei für mich, der grüne für meine Tochter. Und hier und jetzt sollen sie nach meinen Wünschen bedruckt werden. Mit diesen Holzstempeln. Ich bräuchte nur die Motive und Farben auswählen…

Nisha nennt diese Stempel-Methode Blockprint, es sei ein uraltes Kunsthandwerk, das ursprünglich aus Indien komme. Und dieser Mann hier sei ein Meister seines Fachs.

Das ist tatsächlich nicht nur eine Behauptung. Denn kaum hab ich mich für Dunkelgrün und zwei verschiedene Stempelmotive entschieden, kneift der kleine Mann ein Auge zusammen und schlägt mir die Musteranordnung vor. Er müsse auch alles zweimal drucken, meint er, denn sonst käme die Farbe nicht gut genug raus. Und dann legt er los…

Es ist schade, dass ich hier die kleinen Handy-Videos nicht einfügen kann, die ich gemacht habe, denn es ist schwer zu glauben, dass jemand mit diesem groben Holzblock so exakt und sicher drucken kann. Nicht nur, dass die Abschlüsse an den Kanten genau aufeinander zu laufen, er setzt den Stempel beim zweiten Mal drucken mit einer so traumhaften Sicherheit auf den vorherigen Abdruck, dass keine Linie dicker oder verschwommen wirkt. Ich bin fasziniert und ertappe mich dabei, dass ich regelrecht nach Fehlern suche….das kann doch gar nicht sein, dass er nicht mal um ein paar Milimeter abrutscht..oder den Stempel leicht versetzt aufbringt…. Aber nein, mit einer Präzision wie ein Uhrwerk trägt der Meister Farbe auf, setzt den Block an, haut zwei, drei Mal auf das Holz und setzt den Stempel gleich daneben neu an. Rhythmisch sind seine Bewegungen und hypnotisch. Erst setzt sich das dunkle Grün gar nicht so richtig vom hellgrünen Schal ab, aber je mehr die Farbe trocknet, desto deutlicher und dunkler wird der Druck.

Kurze Zeit später ist auch ein schwarzer Schal bedruckt – mit orangenen Ornamenten, die nach dem Doppeldruck besonders kräftig leuchten. Ich bin beeindruckt. Und sogar noch mehr, als mir Nisha erzählt, dass sie alle Vorhänge oder Überdecken bei sich zu Hause nach dieser Methode hat blocken lassen. Alles Handarbeit und alles Unikate.

Später hab ich im Internet herausgefunden, dass Blockprint eine uralte indische Textiltradition ist. Funde mit Blockprint-Stoffen reichen bis in das Jahr 2000 vor Christus Geburt zurück.

Was für ein tolles Geschenk.

Ich denke,  ihr könnt Euch vorstellen, wie stolz ich auf diese besonderen Schals bin.

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2 Kommentare zu “Impressed by blockprints

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