Feeding allowed!

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Bangladesch ist….essen!

Und da ich ja meistens in Familien unterkomme und nicht auf die schnöde Hotelkost angewiesen bin, genieße ich die Geschmacksvielfalt der Hausmannskost (eigentlich eher Hausfrauskost) mit allen Sinnen. Ich mein das ganz wörtlich.

Denn wenn Bangladeshi kochen ziehen schon lange vorher herrliche Gerüche durchs Haus und meine Nase versucht automatisch die Ingredienzien zu erraten. Sobald das Essen aufgetragen wird, gehen mir die Augen über, es werden nämlich fast immer mehrere ‚items‘, also Gerichte, gereicht – Eines leckerer als das Andere. Der taktile Part, das eigentlichen Essen, war für mich lange eine echte Herausforderung, denn es ist nicht so einfach, mit der rechten Hand das perfekte Fleisch-Sauce-Reis-Gemisch zu kneten und es dann elegant in den Mund zu befördern. Vor allem wenn das Fleisch oder der Fisch noch an Knöchelchen hing, war mein erster Reflex immer, einfach die andere Hand zu Hilfe zu nehmen – ein absolutes No-Go in einem muslimischen Land, gilt doch die linke Hand als unrein (den Grund dafür erläutere ich lieber nicht beim Essen, auch wenn ich hier nur davon erzähle…). Ach ja, und bei manchen Sitznachbarn hat das Genießen dann auch noch eine auditive Komponente, wenn es hörbar mundet…

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Jedenfalls war diese Art zu essen lange Zeit etwas stressig für mich – ich wurde nämlich dabei ständig beäugt! Von manchen am Tisch aufmunternd, weil ich immer noch mit dem Fleisch kämpfte, von anderen anerkennend, weil ich wie ein richtiger Bangladeshi Messer und Gabel ignorierte und von wieder anderen (Jugendlichen!) feixend, weil ich mühsam mit den Fingerspitzen knetete während sie die ganze Hand zum Bällchenformen verwenden.

Seit ich mich selbst aber ganz gut im Bangla-Style ernähren kann, bleibt mir mehr Muße, meine Tischgenossen beim Essen zu beobachten. Und dabei ist mir eine kuriose Szene aufgefallen: An einem Morgen bei meiner Gastfamilie kommt die Schwester völlig verpennt an den Frühstückstisch, setzt sich, sagt, dass sie superspät dran sei und tut …nichts. Dafür aber ihre Mutter. Die knetet geübt und in Windeseile Reis mit den Leckereien vom Vortag einhändig zu einem Bällchen und stopft es ihrer Tochter in den Mund. Matsch, knet, stopf – in einem Affenzahn. Und das verspätete Töchterchen kaut, schluckt und öffnet das Mündchen im gleichen Rhythmus (das Töchterchen ist übrigens fast 30).

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Trotz Zeitdruck fiel den beiden wohl mein heruntergeklappter Unterkiefer auf und ich beeilte mich zu erklären, dass ich mich über dieses Füttern wundere, wo sich doch bei uns schon Kinder vehement dagegen wehrten und es für Erwachsene nur im Pflegefall denkbar sei, weil es ‚unselbständig sein‘ bedeute.

Gelächter am Tisch – und die Erklärung, dass es in Bangladesch völlig anders ist: Bangladeshi füttern gerne! Warum, könnten sie mir zwar auch nicht erklären, aber sie täten es ständig

Bei Geburtstagen wird die Torte von engen Freunden und Familienangehörigen verfüttert – mehr oder weniger treffsicher.

Und bei Hochzeiten…

kriegt das Brautpaar ständig von den Gästen was zwischen die Zähne geschoben, gerne auch Süßes und immer wird davon ein Foto gemacht. Ich erinnere mich spontan daran, dass die meisten Hochzeiten mit über 300 Gästen gefeiert werden, bewundere dann einerseits den robusten Magen der Brautleute und kann mir andererseits auch den oft ziemlich teilnahmslos-entrückten Blick vor allem der Braut erklären: Sie ist wahrscheinlich einfach im Futter-Zucker-Koma!

 

 

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2 Kommentare zu “Feeding allowed!

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