Mission accomplished – this time

Auch in diesem Jahr gab es wieder heftige Überschwemmungen in Bangladesch: Springfluten nach einem Hurrikan im Juni und Extrempegel während der Regenzeit. Zyniker könnten jetzt sagen: Tja, das ist man in Bangladesch ja schon gewohnt…

Tatsächlich merken die Menschen in diesem flussreichen Land schon seit Jahren, dass die Natur sich verändert, dass die Stürme häufiger werden und die Überschwemmungen heftiger und länger. Aber anders als in europäischen Ländern können sich die Bangladeshi so gut wie gar nicht dagegen schützen. Und die Wassermassen treffen vor allem die Ärmsten in der Bevölkerung

Ich stell mir das schrecklich vor: Man sieht, wie das Wasser steigt, versucht mit Sandsäcken und kleinen Kanälen, das Wasser vom Haus weg zu halten und hofft bis zuletzt, dass wenigstens diesmal das Haus, das Vieh und die Äcker verschont bleiben

Das kann über Wochen gehen. Wochen in denen das Brunnenwasser verschmutzt wird, die Vorräte verschimmeln, das Vieh und womöglich die Kinder krank werden und vielleicht sogar die Häuser einstürzen.

Auch die Bewohner von Char Charita Bari kennen diese Situation. Denn ihr Dorf ist auf einer Schwemmlandinsel gebaut, mitten im Fluss. Das heißt, wenn das Wasser kommt, kommt es gleich von allen Seiten. Aber in diesem Jahr hatten die rund 60 Bewohner Hoffnung! Immerhin war das komplette Dorf ja erhöht worden und damit über einen Meter über dem zuletzt gemessenenen Höchst-Pegel von 2014. Aber dann kamen die Fluten, mit der Monsunzeit stieg das Wasser höher und höher. Sogar noch höher als 2014. Und Laily, Muslem Ali und all die anderen, die ich bei der Reise im November kennengelernt hatte, wurde es ziemlich mulmig – war die Aufschüttung hoch genug? Wird die festgestampfte und mühsam bepflanzte Erde den Fluten widerstehen?

Sie mussten mit ansehen, wie das Wasser in angrenzenden Dörfern stieg und erst den Dorfplatz, die Viehställe und dann auch die Häuser erreichte

Irgendwann gaben die Dorfbewohner der umliegenden Dörfer auf und versuchten, sich selbst, ihr Vieh und die Vorräte in Sicherheit zu bringen. In Char Charita Bari durften sie ihr Vieh unterstellen…denn das kleine Dorf lag immer noch etwa 30 cm über dem Pegel.

Auf dem rechten Bild seht ihr, wie knapp das Dorf vor der Überflutung ist….bzw. war. Denn mittlerweile ist das Wasser zurückgegangen und die Dorfbewohner höchstwahrscheinlich für dieses Jahr verschont geblieben.

Ungefähr 30 cm, etwas mehr als eine Lineallänge –  das klingt für mich so lächerlich wenig. Aber diese 30 cm haben gereicht, um den Dorfbewohnern von Char Charita Bari zu helfen. Ihr Viehfutter ist verschont geblieben (1. Bild), der Gemüsegarten noch intakt (2. Bild) und die 10 Familien auf dieser Schwemmlandinsel (3. Bild, an der Rampe) haben auch keinen Verdienstausfall. Diesmal.

Für wie lange, weiß ich allerdings nicht. Denn die Menschen in Bangladesch können weder den Klimawandel beeinflussen, noch die politisch-ökonomischen Umstände (Indien leitet zum Beispiel immer wieder den Ganges um, um Zentralindien zu bewässern – dadurch fehlt in Bangladesch in Trockenzeiten dieses Wasser. Während der Regenzeit wird das Wasser dann von Indien aber wieder nach Bangladesch geleitet, was die Monsun-Auswirkungen verstärkt).

Trotzdem versuche ich mir die Bangla-Mentalität zu eigen zu machen, das Hier und Jetzt zu genießen – Und mich einfach nur zu freuen, dass rund 60 Menschen im Norden von Bangladesch dank der Hilfe von deutschen Spendern (Besucher der Klingenburgfestspiele 2015) und einer mutigen Idee der Hilfsorganisation CDD trocken geblieben sind!

Dhonnobad, danke!

CCB Dorfbewohner neu

Foto: Subir Kumar Saha, CDD

 

 

 

 

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2 Kommentare zu “Mission accomplished – this time

  1. Pingback: The fith time… | Impressions of Bangladesh

  2. Pingback: After the big flood – Char Charita Bari | Impressions of Bangladesh

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