Against all odds

Ein Dorf auf einer Schwemmlandinsel mitten im Fluss Tista….bei jeder Flut müssen die Bewohner um ihr Leben fürchten – Erinnert Ihr Euch? Ich hatte im November von diesem Dorf im Distrikt Gaibandha erzählt (siehe https://yvonnekoch.wordpress.com/2015/11/30/zwischen-den-wassern/). Es heißt Char Charita Bari und es wurde von deutschen Spendern für ein ungewöhnliches Projekt ausgewählt: Das komplette Dorf sollte höher gelegt werden.

Tatsächlich haben sich die zehn Familien des Dorfes gleich an die Arbeit gemacht. Unter der Anleitung einer örtlichen Hilfsorganisation wurden erst die Hütten abgebaut. (Was übrigens nicht so schwierig ist, weil die Bewohner schon immer flexibel sein mussten und die Wellblech- und Bambushütten für ein gewisses ‚Normadentum‘ angelegt sind).

Dann haben die Bewohner und Anwohner aus den anderen Dörfern Erde von einem ehemaligen Reisfeld abgetragen und zwar händisch, das heißt, die lehmige Erde wurde mit Schaufeln ausgestochen, in Körbe gefüllt und dann auf den Dorfplatz getragen.

Für diese Arbeit wurden alle Arbeiter bezahlt (auch das war im Spendenprojekt mit eingeplant), damit die Dorfbewohner einen Ausgleich hatten – immerhin konnten sie in der Zeit ihre eigenen Felder nicht bestellen. Weil aber die Arbeit nicht schnell genug voran ging und die Erde aus dem vorgesehenen Feld nicht reichte, grub letztlich doch ein Bagger Baumaterial aus dem Flussbett aus. Nach und nach wurde so die Dorfplatform samt einigen Anbauflächen auf über einen Meter über dem höchsten bisherigen Flutpegel aufgeschüttet. Dann ging es an den Wiederaufbau der Häuser.

 

Jedes Haus wurde auf einen kleinen Sockel gesetzt und bekam einen Wasseranschluss. Wobei das natürlich kein fließendes Wasser aus dem Wasserhahn im Badezimmer bedeutet, wie in unseren Häusern. Sondern, dass vor dem Haus eine Wasserstelle mit Handpumpe zu einem Brunnen installiert wurde. Ach ja und mehrere Außen-Toiletten getrennt nach Männlein und Weiblein gibt es jetzt natürlich auch.

Rechtzeitig vor dem Einsetzen des Monsuns im Juni konnte so das komplette Dorf höher gelegt werden, hatte saubere Wasserstellen, hygienische Toiletten und einen Wasserspeicher – und: das komplette Dorf ist jetzt barrierefrei, sodass alte oder behinderte Menschen problemlos kochen, waschen oder aufs Klo können. Außerdem haben die Dorfbewohner die Uferböschung mit speziellem Gras bepflanzt, dass schnell dichtes Wurzelgeflecht bildet, sodass die Aufschüttung Halt bekommt.

Mittlerweile haben die rund 60 Menschen in Char Charita Bari sich schon bestens eingelebt auf ihrem Hochplateau mitten im Fluß. Sie sind stolz auf das, was sie geleistet haben und dankbar…denn sie wissen, dass ohne die Spendengelder aus Deutschland diese Erhöhung nicht möglich gewesen wäre.

Der nächsten Flut sehen alle Dorfbewohner ziemlich selbstbewußt entgegen – aber noch ist nicht sicher, ob die aufgeschüttete Schwemmland-Platform halten wird….

Advertisements

Ein Kommentar zu “Against all odds

  1. Pingback: After the big flood – Char Charita Bari | Impressions of Bangladesh

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s