Sweet stuff, dangerous to get!

In einem Fischerdorf nahe der Sundarbans, den größten Mangrovenwäldern der Welt, treffe ich Adam (was wie Adom gesprochen wird). 57 Jahre alt, drahtig, weißer Bart und Lachfalten. Adam ist Fischer, wie eigentlich alle hier im Dorf, aber zwischen April und Juni ist er auch noch Honigsammler – nur so kann er sich und seine Familie über Wasser halten, sagt er. Er sammelt aber nie allein, das sei viel zu gefährlich. Deshalb fahre er immer mit seinen Nachbarn los, um das süße Gold zu sammeln. Und mit Bonbibi!

Klingt nach einer Frau, sag ich und Adam schüttelt sich vor Lachen. Aber dann gibt er zu, dass ich gar nicht sooooo falsch lag. Denn Bonbibi ist die Göttin des Waldes, zu der alle hinduistischen Fischer und Honigsammler beten. In seinem Dorf seien sie übrigens alle Hindus und alle aus einer Kaste – der Fischerkaste.

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Adam zeigt mir sein Boot. Für mich ein ganz normaler Holzkahn. Aber Adam präsentiert es mit einer weit ausholenden, stolzen Geste, als stehe er auf einer Yacht. Dann hebt an einer Stelle die einzelnen Planken ab und erklärt mir, dass in dem Stauraum darunter der Honig gelagert wird. Es gehe immer schon ganz früh am Morgen los, sagt Adam, denn es dauert mehrere Stunden bis  zum dichten Teil des Mangrovenwalds, wo die Wildbienen ihre riesigen Stöcke bauen. Sie gelten übrigens als die größten und aggressivsten Bienen der Welt, hab ich mittlerweile rausgefunden.

Für die Honigsammler seinen aber vor allem die Tiger wirklich gefährlich, versichert mir Adam. Deshalb laufen er und seine Freunde dort zu zehnt immer mit etwas Abstand in Kettenformation durch dem Mangrovenwald. Dabei müssen sie gleichzeitig nach Tigern am Boden, Bienenstöcken in den Bäumen und Schlangen von allen Seiten Ausschau halten. Wenn einer einen Bienenstock entdeckt hat, ruft er „Allah!“, erklärt mir Adam und ich wundere mich nur kurz, warum Hindus das Wort ‚Allah‘ als eine Art Signalruf benutzen…Jedenfalls halten dann alle sofort an und bleiben auch genau dort stehen wo sie sind – das sei am sichersten so, versichert der versierte Honigsammler. Nur einer kommt dem Bienenstockfinder zur Hilfe. Und dann wird erstmal der Gesichtsschutz angelegt. Adam springt jetzt von seinem Stuhl auf, ich solle kurz warten, er zeigt mir gleich wie das dann aussieht…

Dieser Gesichtsschutz und vielleicht noch ein Langarm-Shirt sind das Einzige, was ihre Haut vor Bienenstichen schützt. Deshalb zünden die Sammler spezielle Blätter an und räuchern den Bienenstock erstmal aus. Einer klettert dann auf den Baum. 4 bis 8 Meter muss er manchmal hoch. Und dann schneidet der Kletterer den Bienenstock ab und wirft ihn runter.

Der unten fängt ihn auf, packt ihn in einen Zinnkübel und dann nichts wie weg… Noch im Boot trennen die Männer dann das Wachs vom Honig, alles in Handarbeit.

Das klingt alles unglaublich routiniert. Gar nicht so gefährlich. Adam lacht trocken auf. Ja, routiniert seinen sie schon. Aber trotzdem sei er schon vom Baum gefallen, weil ihm das Bienengift so zugesetzt hat und zwei seiner Nachbarn hätten den Tigertanz nicht überlebt.

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2 Kommentare zu “Sweet stuff, dangerous to get!

  1. Danke! Aber das Lob geht komplett an Adam – er hat es geschafft, mir ein Bild von seiner Arbeit zu vermitteln, obwohl ich nicht bei einer Sammelaktion dabei sein konnte. Es ist noch nicht ‚Honigsaison‘, sonst wär ich da schon gern mal mit 😉

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