Everytime you think, nothing will go well…

Mehr Integration als heute, geht fast nicht mehr: Ich hatte einen eigenen Schreibtisch in einem bengalischen Großraumbüro! Außerdem wurde ein abenteuerlicher Adapter aus Klebestreifen und Plastikbuchsen für mein Laptop-Kabel gebastelt und beim Mittagessen wurden meine Bangla-Kenntnisse getestet.

Und dann hatte ich auch noch die ehrenvolle Aufgabe, die niegel-nagel-neuen Gästezimmer kritisch zu beäugen und Verbesserungsvorschläge zu machen, also quasi eine Wunschliste nach europäischem Geschmack zu erstellen.

Mein Ehrgeiz war es dabei, mit wenig Aufwand und möglichst kostengünstig, ein bisschen pragmatischen ‚Luxus‘ (für hiesige Verhältnisse) vorzuschlagen. Eine Türhakenleiste zum Beispiel, damit man im Bad auch was aufhängen kann, oder Nachtischlampen, damit man nicht im Dunkeln quer durchs ganze Zimmer tapsen muss oder ein weiteres Laken als leichte Zudecke. Bei der auf dem Bett muss ich nämlich schon schwitzen, wenn ich sie nur ansehe . Jedenfalls kamen meine schwäbisch-spartanischen Vorschläge gut an und ich hab jetzt den Titel ‚migrant worker at CDD‘ gekriegt 😉

guesthouse zimmer

Foto: Yvonne Koch

Bei meiner eigenen Arbeiten hat dagegen so gar nichts geklappt…fast alle Gespräche, die ich vorab geplant hatte, wurden abgesagt oder wackelten jedenfalls bedenklich. Leichte Panik…und wenn ich so gar nichts von meinen Themen umgesetzt kriege? Wenn die ganze Recherche und Vorarbeit umsonst war?

Irgendjemand lacht mich aus! Jedenfalls klang das, was mich aus den Gedanken gerissen hat, nach einem hämischen Lachen.

Tatsächlich war es ein Gecko der es sich direkt an meinem Fenster gemütlich gemacht hat. Vielleicht sogar derselbe, der mich in der Nacht schon beglückt hat mit seinem Geckern. Gesehen hab ich ihn nicht, draußen  war schon alles dunkel und ich hätte ihn wahrscheinlich nichtmal bemerkt, wenn er sich bewegt hätte. Aber dass sich plötzlich was auf meinem Laptop bewegt, das konnte ich schon sehen….

Drei Chat-Fenster springen gleichzeitig auf. Im einen werden mir Pärchen zugesagt, die sich im Heiratswahn hochverschuldet haben, im anderen erfahr ich von einem Dorf voller Tiger-Witwen, also Frauen, deren Männer jeweils zwischen die Zähne bengalischer Tiger geraten sind und im dritten steht, dass das Interview mit dem im Moment am meisten gefährdeten Journalisten in Bangladesch klappt.

Was soll ich sagen….es ge(cko)ht doch…

 

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6 Kommentare zu “Everytime you think, nothing will go well…

  1. Viel Glück bei deinen „Terminen“ und insbesondere für die betroffenen Menschen. Im Weltspiegel habe ich einen Bericht über Frauenrechte gelesen, da schaut es ja wirklich schlimm aus. Außerdem habe ich das Gefühl, dass im Land der Salafismus immer stärker zunimmt. Sie sind da deine Beobachtungen?

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    • Ja, extreme Strömungen werden stärker…und richten sich scheinbar ziellos gegen ganz verschiedene Gruppen: Im November 2015 sind Ausländer getötet worden, die aber auch gleichzeitig bei NGOs gearbeitet haben – keine Ahnung welches Attribut da der Auslöser war. Christliche und Hinduistische Geistliche wurden umgebracht, die Attacken und sozialen Repressionen auf Hindus nehmen zu und es gab auch Angriffe auf Moscheen (bitte frag nicht, welches kranke Hirn sich das ausgedacht hat).
      Ich habe vor allem im Norden von Bangladesch immer öfter den Eindruck, dass sich lokale ‚leader‘, also Distriktverwalter oder Polizeichefs, bei extremen Gruppierungen anbiedern. Das war erst nur ein Gefühl, das ich beim Treffen mit bestimmten Personen hatte, nichts wirklich Greifbares. Aber mittlerweile hat sich wohl herausgestellt, das mein Gefühl richtig war.
      Verschiedene Quellen behaupten auch, dass der IS eine Art Asien-Dependance in Bangladesch errichten will, aber ehrlich gesagt hab ich das auch über andere asiatische Standorte gehört…kann nicht beurteilen, was da dran ist.
      Nahezu sicher ist aber mittlerweile, dass es gezielte Waffenlieferungen an extreme Gruppierungen im Norden gibt, wahrscheinlich aus Saudi-Arabien.
      Gleichzeitig ploppen im Internet immer öfter dubiose Seiten auf bangla auf, auf denen IS-Videos gezeigt werden und zu Anschlägen aufgerufen wird.

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  2. Vielen Dank! Morgen geht’s in die Mangrovenwälder zu Honigsammlern, Fischern und Tigerwitwen….bin gespannt, ob ich meine Gesprächspartner zum Erzählen bringen kann – zum Glück hab ich einen Dolmetscher dabei 😉 Herzliche Grüße, lieber Globetrotter, und wenn ich zurück bin, widme ich mich auch gerne wieder deiner Ländersammlung.

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  3. Liebe Yvonne, wir sind jetzt seit zwei Monaten wieder zurück, aber wenn ich Deinen Blog lese, schwingen die Erlebnisse und Begegnungen noch immer nach. Wir waren auch in den Shundabarns und es war ein wunderbares Erlebnis. Der Tiger blieb zwar unsichtbar aber seine Fußabdrücke sind überall zu sehen. Ich wünsche Dir eine gute Zeit und hoffe, dass Du gesund wiederkommst.
    Liebe Grüße Mechthild Becker, alphabangla.de

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