Ameisen im Bauch – Hummeln im Hintern

Aus aktuellem Anlass unterbreche ich die Fortsetzungsgeschichte von Rahim.

Ich werde in wenigen Tagen wieder nach Bangladesch reisen (vorausgesetzt ich habe bis dahin mein Visum bekommen). Es geht wieder nach Gaibandha, Savar und Dhaka und ich werde viele Menschen wiedersehen, die mir mittlerweile ans Herz gewachsen sind. Und doch ist diesmal vieles anders…

Vor vier Wochen ist ein Italiener in der Hauptstadt Dhaka ermordet worden, kurz darauf ein Japaner. Hinter beiden Attentaten vermutet die bengalische Regierung islamistische Terrorgruppen. Für alle Ausländer wurden Sicherheits-Warnungen ausgesprochen, NGO-Mitarbeiter hatten Reiseverbot und die USA hat sogar einen Reisestopp nach Bangladesch verordnet. Mittlerweile ist diese erste Panik vorbei. Aber von Fahrten in Rikschas, Bussen oder CNGs wird immer noch abgeraten, auch sollen Touristen Menschenansammlungen und touristische Orte meiden. Die Visa-Bestimmungen wurden verschärft und theoretisch müssen Ausländer jede Bewegung im Land den Behörden melden.

Es sind diese Meldungen, die mich beunruhigen. Beunruhigt haben, um genauer zu sein. Denn seit ich heute morgen mit einem Bekannten geskypt habe, bin ich wieder relaxter. Er selbst ist auch Deutscher und lebt seit etwa einem halben Jahr in Bangladesch. Ja, es sei eine angespannte Situation im Moment, meinte er, aber ich müsste das doch eigentlich schon kennen…Ich hab erst nicht gewusst, auf was er anspielte, aber ja, er hat Recht: Auch bei meiner letzten Reise im März war die Situation angespannt, auch da wurden Warnungen ausgesprochen, weil es zu Straßenkämpfen, Schusswechseln und Bombenanschlägen gekommen war. Und wie damals tun meine bengalischen Freunde alles, um mir die größtmögliche Sicherheit zu bieten: Der eine organisiert mir ein Auto samt Fahrer, der nächste sucht einen Begleiter für mich, der gleichzeitig auch noch als Dolmetscher fungieren kann und die Dritte organisiert Interviews an unverfänglichen Orten.

Von all diesen Anstrengungen und Vorbereitungen habe ich erst heute erfahren – und ich bin fassungslos und gerührt ob dieser Fürsorge.

Und jetzt merke ich, dass sich langsam doch die Vorfreude durchsetzt. Und die Sehnsucht nach dem Ort, an dem ich bei der ersten Reise dieses unglaubliche Harmonie-Gefühl hatte: Mitten in einem Reisfeld in Gaibandha.

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