Vom Schaufeln und ‚Scheffeln‘

Rahim ist jetzt regelmäßig im Sportpark, eigentlich fast jeden Tag. Nicht zum Joggen, Kicken oder Tennisspielen, sondern zum Arbeiten.

Warum ich da unbedingt mit will, fragt er kopfschüttelnd und ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um zu merken, dass es ihm unangenehm ist. Auch er kennt mich und weiß, dass ich bestimmt nicht locker lassen werde. „Aber du darfst niemand in Bangladesch verraten, was ich da mache“, sagt er. Er fixiert mich regelrecht mit den Augen. Mein Versprechen scheint ihm wichtig zu sein. Aber erst auf der Fahrt zum Sportpark, verrät er mir, dass diese Arbeit eine Schande für ihn wäre in Bangladesch…

Er kehrt Laub und Staub von der Halfpipe, gräbt schwere Bodenplatten aus, mäht riesige Rasenflächen oder putzt die Duschen. Es fallen viele Arbeiten an auf dem Sportgelände. Die einen nennen es Sozialarbeit, andere einen Integrationsansatz, in Bangladesch nennt man das niedere Arbeit, die nur die Ärmsten der Armen verrichten. Aber hier in Deutschland ist es für Rahim vor allem eine Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen. Ein Euro fünf bekommt er dafür pro Stunde. Allerdings darf er pro Tag nur etwa sechs Euro verdienen, behauptet er. Ich hake nicht nach, ob das stimmt. Mich interessiert viel mehr, was er mit dem Geld macht, dass er so zusätzlich zu dem ‚Asyl-Geld‘ bekommt. Manchmal gönne er sich LUXUS, meint er verschmitzt und spricht das deutsche Wort seltsam zischend aus. Dann kaufe er sich einen Döner-Kebap! Er lacht etwas überdreht, kriegt sich fast nicht mehr ein – aber ich bin nicht ganz sicher, ob es wirklich nur ein Scherz war.

Tatsächlich brauche er das Geld vor allem, um seinen Internetzugang für das Handy und den Laptop zu finanzieren, meint Rahim dann wieder ernster. Denn diese beiden Geräte seien die einzige Möglichkeit mit seiner Familie zu sprechen oder sogar mal mit ihnen zu skypen. Seit Monaten sieht er seine Frau und seinen vierjährigen Sohn nur noch über den Bildschirm. Erst habe der Kleine noch gefragt, wann er denn endlich aus dem Büro komme. Dann wollte er wissen, wann denn endlich das Flugzeug komme, dass ihn auch nach Deutschland fliegen werde. Und vor zwei Tagen, erzählt Rahim und seine Stimme wirkt seltsam rauh, vor zwei Tagen sei sein Sohn wütend geworden…der blöde Screen-Daddy würde ihn sowieso immer nur anlügen….

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Fortsetzung folgt

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