Dangerous words

Ich habe Rahim schon öfter gefragt, worüber er eigentlich geschrieben hat in Bangladesch. Dann fing er immer an zu sprudeln, warf mit Abkürzungen und Namen um sich und war sich offenbar nicht bewußt, dass ich – wie wahrscheinlich ein Großteil der Weltbevölkerung – nichts oder nur sehr wenig über die politische Situation in Bangladesch weiß.

Also hab ich angefangen zu recherchieren, hab mir die noch junge Geschichte des Landes erarbeitet und erfahren, dass es Bangladesch erst seit 1971 gibt. Es hat sich in einem blutigen Unabhängigkeitskrieg von Pakistan abgespalten. Und abgesehen von verschiedenen Putschs in der Anfangszeit, gilt Bangladesch seit 1990 als Demokratie. Eigentlich regieren abwechselnd zwei Parteien den Staat: Die amtierende Awami Liga (AL) und die BNP, die Bangladesh Nationalist Party. Beiden Parteien stehen zur Zeit Frauen vor: Scheikh Hasina Wajed, die derzeitige Regentin, führt die AL an und Khaleda Zia ist der Kopf der BNP. Und die beiden sind sich spinnefeind!

Die letzten offiziellen Parlamentswahlen in Bangladesch waren im Januar 2014, wobei…richtige Wahlen waren es eigentlich nicht, denn die Opposition befürchtete schon im Vorfeld Manipulation und ist gar nicht zur Wahl angetreten. Die Folge: Fast in allen Wahlbezirken hat die schon zuvor regierende Awami Liga gewonnen und hat danach jeden Regierungsposten mit Anhängern besetzt.

Rahim grinst als er merkt, dass ich meine ‚Hausaufgaben‘ gemacht habe. Dann könne ich vielleicht jetzt besser verstehen, worüber er geschrieben hat: Er erzählt mir, dass er sich schon im Wahlkampf in seinen Artikeln kritisch zu dieser Wahlfarce geäußert hatte, dass er das ganze Verfahren als undemokratisch und manipulativ angeprangert habe und zusätzllich noch aufdeckte, dass die unteren Verwaltungs- und Polit-Chargen in den ländlichen Gebieten mit Ämtern und Zuwendungen bestochen wurden, damit sie für die AL stimmten.

Ja, über diese seltsame Wahl bin ich bei meinen Recherchen auch gestolpert…Sie wurde damals von verschiedenen westlichen Regierungen als undemokratisch und nicht legal bezeichnet, aber dabei ist es dann auch geblieben, es gab keinerlei Konsequenzen für Bangladesch. Auf mich wirkt das, als ob man das kleine Bangla-Ländchen ob seiner Ungezogenheit mal eben schilt, kurz aufseufzt und dann aber zu den wichtigen Dingen im Polit-Alltag zurückkehrt.

Dafür bekam Rahim mehr als nur eine Rüge nach seinen Artikeln…

Von verschiedenen Seiten – von Politikern der regierenden Partei und Verwaltungsbeamten – wurde ihm mehr oder weniger offen gedroht, dass er seinen Journalistenausweis abgeben müsse, wenn er weiterschreibe, dass sie dafür sorgen würden, dass er seine Anstellungen verliere und dass man ja schon wisse, wo er mit seiner Familie wohne. Außerdem folgten Rahim immer öfter Männer, egal wohin er ging und standen zum Teil direkt wartend vor seinem Büro. Dabei waren sie alles andere als dezent – Rahim sollte merken, dass er ständig beobachtet wurde.

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Fortsetzung folgt

 

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