Hard work! – Journalistenalltag in Bangladesch

Sagar und Runi, RAB, NSI – in unseren Chats hat Rahim mir immer wieder Begriffe an den Kopf geworfen, mit denen ich nichts anfangen konnte. Auch deshalb ist mir das direkte Gespräch mit meinem bengalischen Kollegen so wichtig gewesen. Jetzt sitzt ich ihm gegenüber und kann direkt nachfragen, wenn etwas nicht klar ist.

Mich interessiert vor allem, wie Rahim gearbeitet hat und bin erstaunt, als ich erfahre, dass er gleich bei zwei Zeitungen angestellt war, bei der einen als Chefredakteur, bei der anderen als Chefreporter. Und so ganz nebenbei hat er noch in seiner eigenen Online-Zeitung geschrieben. Ich gestehe, dass ich ihm das nicht abgenommen habe. Aber er hat mir Artikel in beiden Zeitungen gezeigt, auch englische Artikel, die von ihm waren, und seine diversen Presseausweise.

Er sei ein bisschen ‚workoholic‘, gesteht er mir. Und ein Arbeitstag mit 12 Stunden sei für ihn keine Seltenheit gewesen…Aber warum? Warum nimmt jemand dieses enorme Pensum auf sich? Meine Frage scheint ihn etwas zu verblüffen, er überlegt kurz und meint dann, dass er die Gründe eigentlich noch nie ausgesprochen habe, es gäbe ja auch mehrere: Ursprünglich ging es ihm vor allem darum, Geld zu verdienen, erklärt er mir. Und zwar so viel, dass er und seine Familie gut leben konnten. Deshalb die zwei Jobs. Er habe jetzt nämlich eine große Wohnung in einem guten Viertel, in einem bewachten, sicheren Haus. Seine Frau müsse nicht arbeiten, sein vierjähriger Sohn kann in die Vorschule gehen, es sei immer genug zu essen da und auch eine shopping-tour seiner Frau ist da mal drin. Er kuckt mich erst stolz an, bei dieser Aufzählung, aber dann scheint ihm aufzufallen, dass die Situation sich ja jetzt geändert hat….

Ich frage schnell weiter, ob es auch noch andere Gründe für die zwei Jobs gibt. Er braucht einen Moment, bis er die Frage hört, er scheint mit den Gedanken ganz woanders zu sein…Andere Gründe? Ja, sagt er, sein Land, Bangladesch sei der Hauptgrund. Denn in diesem Land laufe so viel falsch, sei Korruption, Gewalt und Diskriminierung so verbreitet, dass er nicht schweigen könne. So viel Menschen wie möglich sollen erfahren, worüber nie offen gesprochen wird – deshalb schreibe er so viel!

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Fortsetzung folgt

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