Zwischen Heiligenbildern und Hühnchencurry

Rahim hat ein Zimmer in einem katholischen Stift, eines von vielen, offenbar werden sie auch als Gästezimmer für Durchreisende genutzt. Er schließt das Zimmer sofort ab, als wir drin sind. „Ist sicherer“, meint er, manche kämen einfach in die Zimmer, es wurde auch schon geklaut. Und als ich ihn nach den Toiletten frage, wird er richtig verlegen. Die würden gemeinsam genutzt, sagt er. Kein Problem, sage ich. Er schaut mich schnell von der Seite an, nur ganz kurz, dann seufzt er, zieht eine Rolle Klopapier aus dem Schrank und schließt die Tür wieder auf.

Ich sollte lieber die Klos auf der rechten Seite nehmen, meint er, zeigt mir wo sie sind und dreht sich dann schnell weg.

Details erspar ich Euch lieber, aber ich habe kurz überlegt, ob es nicht besser ist, an einer geplatzten Blase zu sterben…jedenfalls hatten die sanitären Anlagen nichts, aber auch gar nichts Christliches….

Zurück im Zimmer: Zwei Betten, ein Schrank, ein Stuhl, ein Tisch, ein Sideboard mit einem Zweiplattenkocher, ein kleiner Kühlschrank und ein Waschbecken – das ist alles. Auf etwa zehn Quadratmeter. An den Wänden… Heiligenbildchen und ein großes Holzkreuz. Und dazwischen dieser schmächtige Asiate – ein groteskes Bild!

Rahim hat extra gekocht: Hühnchencurry mit Reis. Es ist unglaublich lecker, aber weil ich aus unseren Chats weiß, dass er ständig knapp bei Kasse ist, ist das wahrscheinlich das erste Fleisch seit langem für ihn.

Er sitzt auf dem Bett, ich auf dem Stuhl. Es ist seltsam, obwohl wir uns bisher nie gesehen haben, sind wir uns vertraut. Denn Rahim hat mir in den Chats und Telefonaten so vieles erzählt, das ein Bangladeshi normalerweise mit niemand teilt. Nicht mit seinem besten Freund, nicht mal mit seiner Frau – in seiner Kultur teilt man viele Gedanken, Gefühle und vor allem Ängste nicht mit anderen.

Aber hier in Deutschland ist der Druck oft zu groß geworden, war er oft überfordert mit der fremden Kultur, den für ihn seltsamen Verhaltensweisen. Nicht dass es immer tiefschürfende Probleme waren, manchmal musste ich sogar ziemlich grinsen über seine Beobachtungen: Zum Beispiel als er sich über die deutsche Unart wunderte, die Hose ständig mit beiden Händen hochzuziehen – selbst Mädchen würden das in aller Öffentlichkeit machen…

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Fortsetzung folgt

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Ein Kommentar zu “Zwischen Heiligenbildern und Hühnchencurry

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