‚Don’t come back‘ – Exil wider Willen

Nach und nach hab ich folgendes rausgekriegt: Rahim ist ein Kollege von mir, ein bengalischer Journalist. Er war zum  jährlichen Medien-Kongress der Deutschen Welle Akademie nach Deutschland gekommen, eingeladen von der Akademie, damit er zusammen mit anderen die Kongressberichterstattung mache. Nichts besonderes für Rahim, immerhin ist er schon ziemlich rumgekommen: Er war in Rom, Paris, in Berlin, aber auch in Nepal, Indien und Thailand. Mal als Berichterstatter von Kongressen, mal auf Schulungen bei internationalen Medienprogrammen. Offenbar war er gefragt, ein gern gesehener Journalist auf Umweltforen, bei Fachtagungen zu digitalen Medien oder politischen Kongressen – und ganz nebenbei hat er für seine journalistische Arbeit viele Preise, Pokale und Auszeichnungen bekommen.

Klingt beeindruckend – aber komischerweise nie angeberisch, er lässt diese Informationen wie kleine Mosaiksteinchen fallen, beiläufig, als ob das zum normalen Alltag eines Journalisten gehört.

Und als ich ihn dann in einem Chat frage, warum er denn jetzt gerade in Deutschland sei, dauert es lange, seeeehr lange, bis ich eine Antwort kriege.

Er sei nicht so ganz freiwillig da, meint er irgendwann. Er sei gerade in Frankfurt gewesen, auf dem Weg zum Flughafen für seinen Heimflug, als er den Anruf bekommen habe, der sein Leben komplett durcheinandergeworfen habe….

Am Telefon – seine Frau. Aufgeregt, nein panisch. Komm nicht zurück, don’t come back, habe sie immer wieder auf bangla und englisch wiederholt. Und Rahim hatte erst nach und nach verstanden, warum er nicht in seine Heimat Bangladesch zurückfliegen sollte: Gegen elf Uhr nachts seien drei Männer zu ihm nach Hause gekommen, angeblich vom Geheimdienst und hätten nach ihm, Rahim, gefragt. Laut und aggressiv seien sie gewesen. Sein kleiner Sohn sei davon aufgewacht. Er sei nicht da, sondern in Deutschland, sagte seine Frau. „Dann sag ihm, er soll sofort die Artikel stoppen, die er schreibt. Sonst passiert ihm dasselbe wie Sagar und Runi“

Da sei für ihn klar gewesen, dass er in Bangladesch nicht mehr lange leben würde…

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Fortsetzung folgt

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