Time to say good bye – never ending hospitality

Eine Woche lang hatte ich ein Zimmer für mich allein, Frühstück, Abendessen und bei Bedarf auch Mittagessen. Es war immer etwas da, ich konnte kommen und gehen wie ich wollte und jedes einzelne Mitglied meiner Gastfamilie umsorgte mich rührend, nie hatte ich das Gefühl zu stören. Bezahlen durfte ich nichts und es kostete viel Überredungskunst, dass ich meine Gastfamilie wenigstens mal zum Essen einladen durfte.

Ich habe mir bisher eingebildet, auch gastfreundlich zu sein, aber was ich bei meinen hosts erlebt habe, schlägt alles, was ich je erlebt habe.

Und die Krönung kam zum Schuß, an meinem letzten Tag: Ich saß gerade beim Frühstück (Brot mit Kürbisgemüse) als ein Anruf von den Nachbarn kam. Ich solle doch bitte zu ihnen kommen, sie hätten mir ein Frühstück bereitet….dazu muß ich sagen, dass ich die Frau dieser Familie einmal kurz im Treppenhaus gesehen und einen kurzen Small-Talk mit ihr hatte. …Ich dachte noch, ich kann mich mit letztem Tag, Koffer packen und meinen Shopping-Plänen rausreden, da klingelte es schon an der Tür: Besagte Nachbarin samt Mann und Schwager stand vor der Tür und hatte das für mich bereitete Frühstück einfach mitgebracht: frisch gebackenes Fladenbrot, Spiegeleier, ein kleines Currygericht und Gebäck. Die Nachbarin strahlte ob meines erstaunten Gesichts und die Männer überzogen mich mit Fragen und ihren Eindrücken über Deutschland. Dann musste ich mir noch die Nachbarwohnung des Hausbesitzers anschauen, die so groß war, dass man locker mindestens drei Kindergartengruppen darin hätte unterbringen können und nur mit viel Lächeln und Diplomatie kam ich aus diesen unendlichen Weiten wieder heraus.

Abends stecke mir eine Nachbarin, deren Sohn ich mal im Aufzug begegnet bin, eine kleine Schachtel zu – ein kristallines Souvenir, der Hausbesitzer kam mit einem schicken Diary um die Ecke und einer meiner Interviewpartner kam extra aus der anderen Ecke von Dhaka angereist, weil er mir auch noch ein Abschiedsgeschenk machen wollte.

Den Vogel schoß aber meine Gastmutter ab: Sie habe da noch etwas für mich. Dann zauberte sie erst ein langes schwarzes Etwas heraus, einen Baumwollrock. Dann eine Art Büstier-Bluse und zum Schluß eine überlange Stoffbahn – Grundfarbe schwarz, mit Grautönen und riesigen roten Rosen. Alles zusammen sei ein Sari, erklärte sie mir, DAS traditionelle Bangladeshi-Gewand für Frauen und schon packte sie mich und wickelte und drapierte und wickelte wieder, bis ich komplett in diese fließend-luftige Stoffbahn gewickelt war. Und erst als ich noch einen großen roten Punkt zwischen den Augenbrauen hatte, war sie zufrieden.

Wie ein Wettbewerb der Großzügigkeit kam mir das vor – und ich war beschämt von dieser Freude am Geben. Als wollten sie die Armut ihres Landes mit der Reichtum ihrer Herzensgüte wett machen – Sorry, dieses Pathos musste jetzt mal sein!

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