The right to say ‚NO‘

Ein Raum vollgepackt mit Frauen,  jede in einem anderen farbenfrohen Sari und alle warten gespannt, aber geduldig auf meine Gastmutter. Die ist nämlich Streetworkerin, Sozialarbeiterin und Frauenrechlerin in Personalunion. Und sie arbeitet vor allem mit Frauen, die zum Beispiel nach Saudi-Arabien gehen, um dort als Hausmädchen, Putzfrauen oder Kindermädchen zu arbeiten.

Die Frauen und Mädchen hier im Raum kennen das, sie sind zwischen 8 und 80 Jahre alt und meistens ist es pure Not, die sie zwingt, Stellen im Ausland anzunehmen, um mit dem Lohn die ganze Familie zu versorgen. Dass ist jedenfalls der Plan, wenn sie ins ‚reiche‘ Ausland gehen. Aber vor Ort werden ihnen dann die Pässe abgenommen, damit sie ja nicht fliehen können und sehr oft, zu oft, werden diese Frauen und Mädchen dann wie Arbeitssklaven gehalten oder – noch schlimmer – wie Sex-Sklavinnen.

Die Organisation meiner Gastmutter kämpft für diese Frauen, sie machen Kopien der Pässe, verteilten Notfallnummern und sind rund um die Uhr erreichbar, wenn ein Hilferuf aus dem Ausland kommt. Dann setzen sie alle Hebel in Bewegung, um die Festgehaltenen wieder nach Bangladesch zu bekommen.

Meine Gastmutter will aber, dass es möglichst erst gar nicht so weit kommt. Deshalb bietet sie Schulungen an, in denen die Mädchen und Frauen erfahren sollen, was ihre Rechte sind und wie sie im Ernstfall den Arbeitgeber in seine Schranken weisen.

Soviel zur Theorie. In der Praxis bringt meine Gastmutter den Raum zum Kochen: Sie macht ein bitterböses Gesicht, wenn sie von den übergriffigen Arbeitgebern spricht, ruckartig wehrt sie einen fiktiven Angreifer mit dem ausgestreckten Arm ab, bedeckt ihre Oberweite und Scham und brüllt dabei ein lautes ‚NO‘. Die Frauen hängen an ihren Lippen und versuchen diese Bewegungen nachzumachen. Sie sollen lauter schreien, feuert meine Gastmutter an und sieht dabei fast wie eine Rachegöttin aus. Dann plötzlich lacht sie ansteckend und erzählt von Situationen, bei denen sie die bösen Arbeitgeber im Ausland ausgetrickst hat….Es ist unglaublich wie diese Frau mit ihrer Energie, ihrem Charisma und ihrer Wärme hunderte von Frauen über eine Stunde lang im Bann hält. Und als sie dann zum Abschluss vorschlägt, gemeinsam zu singen und zu tanzen, erheben sich immer mehr Frauen, Frauen die vorher noch schüchtern oder ängstlich wirkten…und sie tanzen! Ausgelassen die einen, andere ganz in den Rhythmus versunken, den die klatschenden Hände vorgeben. Und der kleine Raum scheint zu vibrieren vor gelebter, gefühlter Frauenpower!

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Ein Kommentar zu “The right to say ‚NO‘

  1. Pingback: Migrant workers – Wanderarbeiterinnen | Impressions of Bangladesh

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