Ricksha by night

Dhaka ist eine laute, staubige und oft auch stinkende Stadt mit enorm viel Verkehr, der sich an keinerlei Verkehrsregeln hält. Normalerweise. Aber sie hat auch ihre romantische Seite: Nach Einbruch der Nacht fahren deutlich weniger Autos in der Stadt und die Straßen werden hauptsächlich von den Rikshas beherrscht. Und dann, wenn die übliche Kakophonie des Tages wegfällt, klingen die verschiedenen Fahrradklingeln plötzlich….schön. Es entstehen während der Fahrt sogar sich ständig ändernde Harmonien. Und auch die sonst zum Teil halsbrecherischen Fahrmanöver der Riksha-Fahrer scheinen sich nachts zu einer fließenden Ballett-Choreographie zu werden.

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So sehr ich aber diese Atmosphäre auch genieße, immer wieder zwickt mich das schlechte Gewissen. Immerhin muss der schmächtige Mann vor mir auf dem Fahrrad kräftig in die Pedale treten, um meinen Wohlstandshintern und meinen Begleiter durch die Gegend zu kutschieren. Aber dieser Fahrer scheint zäh zu sein und beantwortet mir während der Fahrt sogar meine Fragen.

Die meisten Riksha-Fahrer kommen offenbar aus Gaibandha im Norden von Bangladesch. Der Grund: In dieser ländlichen Gegend leben einfach viele sehr arme Menschen, die außer dem Reisanbau fast keine andere Erwerbstätigkeit haben. Und da die Flut regelmäßig Ernten vernichtet, versuchen sie eben in der Hauptstadt ihr Glück.

Die Rikschas gehören ihnen meistens nicht selbst, sondern müssen täglich für ihre Arbeit angemietet werden. Dafür zahlen sie dem Fahrzeugvermieter zwischen 100 und 200 Taka, also etwa ein bzw. zwei Euro. Aber es kommt an manchen Tagen schon auch vor, dass sie abzüglich der Riksha-Miete nur 400 taka einnehmen. Und von diesen 4 Euro müssen sie dann sich selbst und oft noch ihre Familie auf dem Land ernähren. Wirklich kein Traumjob: harte körperliche Arbeit, Smog und Abgase, lebensgefährliche Arbeitsbedingungen (siehe mein Blogbeitrag ‚Armut begünstigt Behinderung und Behinderung bringt Armut‘ vom 26. Oktober 2014), schlechte Bezahlung und Karrierechancen, die gegen Null tendieren.

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