Small talk mit Greulix

Eine der krudesten Facetten von Bangladesch lerne ich in einer Bank kennen, genauer gesagt im Büro eines Bankdirektors. Der sitzt an einem riesigen tiefbraunen Schreibtisch, die Fensterfront im Rücken und offenbar auch leicht erhöht. Die Wand links von ihm ist gepflastert mit Flachbildschirmen. Auf dem größten läuft gerade ein Cricket-Spiel, auf dem daneben flimmern in schwarz-weiß Einstellungen der verschiedenen Überwachungskameras der Bank, auf dem Schirm darüber laufen die CNN-Nachrichten und auf dem nächsten ein Formel-Eins-Rennen.

Der Schreibtisch ist akkurat geordnet, was entweder auf einen Pedanten oder auf jemanden hinweist, der die Büro-Utensilien für die Arbeit eher sparsam benutzt. Ein Gegenstand auf dem Schreibtisch kommt aber auffällig häufig zum Einsatz: ein etwa daumengroßes Plastikkästchen mit einem roten Druckknopf. Immer wieder drückt der Bankdirektor den Knopf, mit dem immer gleichen Effekt: die Tür geht auf, zwei schmale junge Männer eilen devot-geknickt herbei, werden angeraunzt und sind dann ebenso schnell wieder aus der Tür raus.

Die zentrale Figur dieses Raumes aber bleibt. Thront hinterm Schreibtisch wie eingefroren. Was heißt, er starrt auf das Cricketspiel. Und versucht gleichzeitig, mit seinen drei Besucherinnen small talk zu machen. Dabei bietet er abwechselnd Obst aus einer Tupperschüssel – „my wife sets a high value on fruits“ – und Schokovariationen aus einer Keramikschale an.

„Ah, Germany, nice…“, der Blick ruht auf dem Cricket-Bildschirm, „I like Germans, they are so effective“, ein unleidiges Knurren kommentiert den Schlag eines Spielers, „You know, I read in this special book…from your Hitler…very impressing“, die Hand saust auf den Schreibtisch und ein Wort das klingt wie „tschau-na-sari-gama“ entfährt dem Herrn über Schreibtisch, Druckklingel und Bildschirm.

Über eine Stunde lang durfte ich die Gesellschaft dieses eindrucksvollen Menschen genießen. Und nachdem wir drei Frauen uns von ihm verabschiedet hatten, uns bemühten, im videoüberwachten Fahrstuhl keine Mine zu verziehen, platzte es im Auto fast gleichzeitig aus uns heraus: „what a ugly man!“

Und nach einer kurzen Bildrecherche waren wir drei Frauen uns einig: Greulix aus den Asterix-Comics hat ein reales Vorbild in Bangladesch!

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