Ahnungslos im Käfig

Meiner Gastfamilie musste ich versprechen, immer vor Einbruch der Dämmerung zu Hause zu sein, es sei sonst zu gefährlich.  Deshalb breche ich von Malibagh kurz vor sechs auf, ich kalkuliere eine halbe Stunde für die Rückfahrt ein, das müsste gerade so klappen. Mein Mathelehrer organisiert ein CNG, handelt den Preis aus und dann sitz ich zum ersten Mal allein in diesem Fahrgastkäfig.

Ich gebe zu, ganz kurz, als der Käfig vom Fahrer geschlossen wird, ich also nicht mehr raus kann und mein nicht-englisch-kompatibler Fahrer mich durch unbekannte Straßen und Gassen fährt, ganz kurz kriege ich eine kleine Panikattacke….er könnte mich jetzt irgendwohin fahren, mich ausrauben oder meistbietend verkaufen….

Aber das Gefühl ist schnell überwunden, denn erstmal stehen wir im Stau. Mein Zeitplan ist Schrott, die Sonne geht langsam unter – hoffentlich macht sich meine Gastfamilie keine Sorgen…Weil ich es aber nicht ändern kann, macht sich bei mir der ‚Bangla-Fatalismus‘ breit, inshallah, und dann genieße ich den Fahrtwind, die untergehende Sonne, die wunderschöne Reflexe auf den Fluss und auf verglaste Häuserfassaden zaubert.

Zu Hause erwarten mich keine vorwurfsvolle, sondern nur erleichterte Blicke, dann schwenken sie wieder zu den Nachrichten: Es gab wieder Brandanschläge in Dhaka, unter anderem in Malibagh, ungefähr zur gleichen Zeit, zu der ich von dort losgefahren bin.

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