Once again – let’s go to Bangladesh!

Diesmal bin ich nicht mit einer Gruppe unterwegs, sondern allein. Aber ich bin nicht deshalb so aufgeregt, sondern weil ich wieder in das Land reise, dass mich unglaublich fasziniert…

Bis Doha bin ich noch eine unter vielen: unter brettschlanken Engländern, schwatzhaften Indern, foto-fokusierten Japanern und anderen Deutschen, die in exotische Urlaubsländer wie Australien oder Thailand weiterreisen. Aber schon im boarding Bereich nach Dhaka ist klar, ich bin die einzige Europäerin, die in diesen Flieger will. Ich komme mir fast ein bisschen schäbig vor neben den wunderschönen Saris der anderen Frauen und dem kompletten Familienschmuck, der offenbar heute an ihnen Ausgang hat. Vor allem den Männern ist eine blonde Frau aber wohl bling—bling genug, jedenfalls werde ich neugierig – aber nicht gierig – gemustert. Besonders raffiniert übrigens die Taktik eines Cleaning-Experten des Flughafens: Auffällig unauffällig wischt er um die Sitzreihe in meiner Nähe herum, wie in einem Klapp-Tür-Theaterstück, mal Auftritt von links, mal von rechts und dabei versucht er jedesmal, mir einen anderen Blick knapp über dem Mundschutz weg  zu zuwerfen, mal feurig, mal lustig, mal mit gerunzelter Stirn – ich kann mir das Lachen bald nicht mehr verkneifen…

Den ersten verbalen Kontakt wagt aber eine Frau mit dickrandiger schwarzer Brille : Ob ich auch aus Amerika komme, werde ich von leicht schräg unten gefragt. Nein, Germany. Eine Augenbraue rutscht aus der schwarzen Brillenumrandung. Und warum ich dann nach Bangladesch fliege – das ‚ausgerechnet‘ scheint sie sich gerade noch verkneifen zu können. Mein ‚Freunde-besuchen-love-your-country‘ war aber dann wohl Erklärung genug und im Gegenzug erfahre ich, dass sie mit einem Amerikaner verheiratet sei, eigentlich mit ihm in Pennsylvania lebe, aber mindestens einmal pro Jahr für 4, 5 Monate nach Bangladesch komme, ihr Mann halte es da aber immer nur zwei Wochen da aus, deshalb komme er nach, Kinder habe sie ja keine, dann sei das kein Problem und die Familie in Bangladesch sei ja auch wichtig, außerdem freuten sie sich auf die Geschenke, aber diesmal habe sie die Reisezeit etwas unglücklich gelegt, weil sie ja hinten raus in die heiße und in die Regenzeit rutsche….boarding-time….und schon werd ich von diesem Redeschwall weg Richtung Flugzeug geschoben

Beim Warten aufs Gepäck (1:40 Stunden) hab ich wieder mal gemerkt: es ist so leicht, mit Bangladeshi in Kontakt zu kommen….Weil vor mir der große Pulk die Sicht versperrt, hab ich einfach den größten Mann angesprochen, der in meiner Nähe steht und ihn gebeten, auch nach meinem orangenen Koffer Ausschau zu halten. Schnell weiß ich, dass er in Baumwolle macht, die in Amerika angebaut wird, in Bangladesch zu medizinischen Binden verarbeitet wird und von da in die ganze Welt verschickt wird. Allerdings, versichert mir der Banglikaner, sei der Markt enorm eingebrochen und überlege, ob Bangladesch als Produktionsort sich überhaupt noch lohne.

Ein kleiner älterer Mann drängt sich nach ganz vorne ans Gepäckband. Er habe auch noch keinen orangenen Koffer gesehen und woher ich denn komme. Germany? Doitsland? – Kennt er, er habe lange in Saarbrücken gewohnt. Ein Teil der Familie sei immer noch dort, aber er lebe jetzt in den USA. Wahrscheinlich seinen seine Koffer eh die letzten, bei den Transfer-Flügen sei das Gepäck ja immer als erstes eingeladen worden, komme also als letztes raus.

Dann könne er ja auch noch lange warten, bemerkt ein anderer Bangladeshi, er komme nämlich aus Italien und ob ich auch finde, dass es in Dhaka schon wieder so heiß sei…

Müßig zu erwähnen, dass jeder dieser netten Menschen längst samt Gepäck weg ist, als mein orangener Koffer endlich auf dem Band vorbei rutscht.

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