Armut begünstigt Behinderung und Behinderung bringt Armut!

Diesen Satz kannte ich schon vor meiner Reise. Klar wusste ich, dass arme Menschen besonders in Entwicklungsländern kaum eine Chance haben, aus der Armut rauszukommen. Und natürlich war mir auch bewusst, dass behinderte Menschen es überall schwerer haben. Aber, ganz ehrlich, das war reines Vernunftwissen, richtig vorstellen konnt ich mir den Zusammenhang nicht. Von daher war Bangladesch wahrscheinlich genau das richtige Land, um den Zusammenhang von Armut und Behinderung für mich greifbar zu machen.

Wir haben Einrichtungen von verschiedenen NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen) besucht, die in ihren Projekten entweder gezielt arme Menschen fördern oder gezielt Menschen mit Behinderungen – und weil eben dieser Zusammenhang zwischen Behinderung und Armut besteht, arbeiten die Hilfsorganisationen manchmal auch zusammen.

Aber ich will mal etwas konkreter werden: Die wenigsten Behinderungen in Bangladesch sind angeboren. Die Hauptursachen sind

– falsche medizinische Behandlung. Da wird zum Beispiel entweder aus Unwissenheit oder aus Armut auf die heilende Augensalbe verzichtet und stattdessen mit Beschwörungsformeln und Räucherwerk gegen das Erblinden gekämpft.

– Verkehrsunfälle. Der Verkehr ist absolut chaotisch in Bangladesch, Ampeln gibt es kaum, Fahrbahnmarkierungen auch nicht und man hat den Eindruck, dass jeder einfach fährt, wie’s ihm passt. Eine Straße zu überqueren ist lebensgefährlich, es ist üblich, auf den Dächern von Bussen und Zügen mitzufahren und es scheint auf den Straßen das Recht des Stärkeren zu gelten…

– Arbeitsunfälle. Besonders in der Erntezeit gibt es die gehäuft, weil zum Beispiel Jugendliche und Kinder zum Ernten der Früchte in die meterhohen Bäume klettern – ungesichert versteht sich – und dabei leider sehr oft runterfallen. Oder aber Arbeiter verletzen sich an überalterten Maschinen – die in der Regel auch ohne jeden Arbeitsschutz bedient werden.

– schlechte Ernährung. Unter- oder Mangelernährung ist bei vielen Bangladeschi Alltag. Selbst wenn sie wüssten, dass durch unausgewogene Ernährung Knochen schlechter wachsen oder verformt werden und auch Gewebe und Organe geschädigt werden, sie haben meistens keine Wahl.

Und noch eine krasse Zahl zum Schluß: Von den 161 Millionen Bangladeschi haben offiziell mindestens 10% Behinderungen (die Zahlen schwanken, je nach Erhebungsraster, manche sprechen auch von 16%). Das sind aber nur die Menschen, um deren Behinderung man weiß – weil Behinderungen in Bangladesch als Schande gelten, ist die Dunkelziffer enorm hoch.

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8 Kommentare zu “Armut begünstigt Behinderung und Behinderung bringt Armut!

  1. Ich habe gestern im ZDF bei planet.e einen Bericht gesehen ueber die Demontierung von Containerschiffen in Bangladesh. Auch hier sind die Arbeitsbedingungen etc. fuer uns kaum vorstellbar. Aber es ist oft die einzige Moeglichkeit fuer einen aus der Familie Geld zu verdienen … und wenn der bei einem Arbeitsunfall entweder schwer verletzt wird oder gar stirbt, hat die Familie meistens keinen Ernaehrer mehr und weiss nicht, wie sie ueber die Runden kommen sollen.

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